
Den Weltuntergang haben Konsolenbesitzer schon oft verhindert. In Darksiders ist es dafür zu spät - die Katastrophe ist eingeleitet, der Spieler schuld. Als einer der vier legendären Reiter der Apokalypse namens "Krieg" gibt es dank zahlreicher Dämonen trotzdem genug zu tun.
Darksiders bereitet den Spieler nicht langsam vor, sondern schickt ihn gleich in die Action: In einem schön gestalteten Stadtszenario darf er ausprobieren, wie sich das Ende der Welt anfühlt - inklusive Chaos, Verzweiflung und gewaltiger Zerstörung. Weil der Spieler als apokalyptischer Reiter namens "Krieg" bei der Aufdeckung einer großen Verschwörung aber natürlich nicht nur auf irdische Sphären beschränkt ist, gibt es später auch Fantasyareale, die eine gewisse Beeinflussung durch Spiele wie World Of Warcraft nicht leugnen können.
Überhaupt die Sache mit der Inspiration: Der Titel borgt sich, teils auf recht offensichtliche Art und Weise, viele Elemente aus bekannten und erfolgreichen Spielen. Ein offensichtlicher Bezugspunkt ist God Of War: Ähnlich wie in Sonys Vorzeigetitel wird auch hier ein mächtiger Held von Gefecht zu Gefecht geschickt, der sich vor epischer Action kaum retten kann. Prügeln und schlagen, Gegenstände werfen, beständig neue Ausrüstungsgegenstände einsammeln und einsetzen sowie brutale Finishing Moves anwenden und sich in ein dämonisches Chaosmonster verwandeln - für pausenlose Kämpfe ist gesorgt. Der apokalyptische Reiter ist zwar kein Abziehbild von Kratos - die kleineren Rollenspielelemente, das Equipment, die heiligen Extras und mächtigen Sprüche lassen ihn gerade so noch eigenständig erscheinen -, aber Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen.
Darksiders bietet allerdings nicht nur Gefechte, sondern auch zahlreiche Rätsel und viele Dungeons. Bei denen hatte ganz offensichtlich Zelda Vorbildfunktion: Von den Minikarten bis zum Freisprengen der Tore, von der Gestaltung der Höhlen bis zum jeweils in den Dungeons versteckten Gegenstand, der zum Weiterkommen dringend notwendig ist, gibt es zahlreiche Momente, die verdächtig bekannt wirken.
Darksiders hat neben der mangelnden Originalität noch ein weiteres Problem: Die Spieltiefe ist oft nicht überzeugend. Zwar weicht die einfache Action der ersten Stunden, für die simples Knöpfedrücken ausreicht, schnell einer variableren Bedienung, bei der "Krieg" durch das Einsammeln von Seelen dazulernt und besser wird. So lassen sich zahlreiche Extraangriffe auf die Knöpfe legen und es gibt Sonderaktionen wie kleine Sprints. Trotzdem sind die Gefechte meist kaum taktisch oder komplex. Auch Schwierigkeitsgrad, Story und Rätsel bleiben oft oberflächlich. Zu alledem kommen technische Probleme: Auf der Playstation 3 trüben Ruckler bei viel Action das Bild, die Xbox 360 hat zudem mit Tearing zu kämpfen.
Spaß macht die pompös inszenierte Action trotzdem: Die Gegner sind gewaltig, detailreich und bunt, die Zwischensequenzen samt deutscher Sprachausgabe zwar nicht immer schlüssig und spannend, aber schick anzusehen. Auch die frei begehbare Welt weiß zu überzeugen, ebenso wie die eingängige und trotz zahlreicher Möglichkeiten gut handhabbare Steuerung.
Darksiders ist für Xbox 360 und Playstation 3 erhältlich, kostet etwa 50 Euro und hat von der USK keine Jugendfreigabe erhalten.
Fazit
Besser hätte das Jahr 2010 für Actionfans kaum beginnen können - nach Bayonetta folgt mit Darksiders gleich das nächste Highlight für Xbox 360 und Playstation 3. Im direkten Vergleich hinkt der apokalyptische Reiter der aufreizenden Hexe bei Ideenreichtum, Inszenierung und Optik zwar hinterher. Wer Fantasyszenarien, Dungeons und mehr Rätsel zur Auflockerung der Action benötigt, ist hier aber trotzdem bestens aufgehoben. So macht der Weltuntergang durchaus Spaß.
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